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Interaktion Details

MAOI + Tramadol
GefährlichSerotonerg
Evidenz: gesichert
Nicht kombinieren. Tramadol zusammen mit einem MAO-Hemmer kann ein lebensbedrohliches Serotoninsyndrom auslösen. Die Gegenanzeige gilt auch bei Anwendung als Schmerzmittel.
Was passiert
Tramadol wirkt zusätzlich zur Schmerzlinderung auf das Serotoninsystem. MAO-Hemmer, besonders solche mit MAO-A-Wirkung, bremsen den Serotoninabbau. Zusammen kann die Serotoninwirkung gefährlich zunehmen: Muskeln zucken oder werden steif, die Körpertemperatur steigt und das Bewusstsein kann sich verändern. Tramadol kann außerdem Krampfanfälle verursachen.
Für wen relevant
Für alle, die Tramadol einnehmen und einen MAO-Hemmer erhalten oder kürzlich abgesetzt haben. Dazu zählt auch Moclobemid: Seine reversible Wirkung macht diese Kombination nicht sicher. Einen Medikamentenwechsel mit der behandelnden Praxis planen; Mittel nicht eigenständig absetzen oder gegeneinander austauschen.
Warnzeichen
  • Neue Muskelzuckungen, starkes Zittern oder ausgeprägte Muskelsteife.
  • Fieber oder Überhitzung, starkes Schwitzen und Herzrasen.
  • Deutliche Unruhe, Verwirrtheit oder rasch verändertes Verhalten.
  • Krampfanfall, Kollaps, fehlende Ansprechbarkeit oder Atemprobleme.
Bei Überhitzung zusammen mit Verwirrtheit oder Muskelzuckungen, bei Krampfanfall, Kollaps, Bewusstseinsstörung oder Atemproblemen: sofort 112. Nicht warten, bis alle Zeichen auftreten. Einzelne Beschwerden beweisen kein Serotoninsyndrom; nach dieser Kombination müssen sie trotzdem sofort medizinisch abgeklärt werden.
Wenn es passiert
  • Bereits kombiniert, aber noch ohne Warnzeichen: sofort den Giftnotruf kontaktieren. Wirkstoffe, Mengen, Einnahmezeiten und weitere Medikamente nennen; Verpackungen bereithalten. Bei den genannten Notfallzeichen direkt 112.
  • Bis zur sofortigen medizinischen Rücksprache keine weitere Dosis der beteiligten Mittel einnehmen und keine zusätzlichen Substanzen zur Selbstbehandlung nehmen.
  • Bei der Person bleiben und Atmung sowie Ansprechbarkeit beobachten. Bewusstlos, aber normal atmend: stabile Seitenlage. Nicht ansprechbar und keine normale Atmung: sofort 112, Wiederbelebung mit Herzdruckmassage beginnen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
  • Bei einem Krampfanfall vor Verletzungen schützen, nicht festhalten und nichts in den Mund stecken. Anschließend die Atmung prüfen. Kein Erbrechen auslösen; Bewusstlosen nichts zu trinken geben.

Die deutsche Tramadol-Fachinformation nennt MAO-Hemmer ausdrücklich als Gegenanzeige und warnt vor potenziell lebensbedrohlichem Serotoninsyndrom. Krampfanfälle sind auch bei empfohlenen Tramadoldosen beschrieben. []

Auch die Moclobemid-Fachinformation untersagt die Kombination mit Tramadol. MAO-A-Hemmung vermindert den Serotoninabbau. Art, Selektivität und Dauer der Hemmung unterscheiden sich zwischen MAO-Hemmern; daraus ergibt sich keine pauschale Ausnahme für selektive Präparate. [,]

Die geprüfte Tramadol-Fachinformation verbietet die Anwendung während und innerhalb von 14 Tagen nach einer MAO-Hemmer-Behandlung. Diese Angabe betrifft die Richtung MAOI vor Tramadol. Sie ist kein allgemeiner Wechselplan und keine Zusage, dass jede Umstellung nach 14 Tagen sicher ist. Maßgeblich sind beide Präparate und die ärztlich geplante Umstellung. []

Evidenz-Einordnung: gesichert für die klinisch relevante Wechselwirkung und Gegenanzeige, als redaktionelle Bewertung. Die in der Tramadol-Fachinformation angeführten lebensbedrohlichen Atem- und Kreislaufreaktionen wurden mit Pethidin beobachtet und auf Tramadol übertragen. Sie sind keine direkte Tramadol-Fallserie. Eine verlässliche Risikohäufigkeit oder sichere Kombinationsdosis lässt sich daraus nicht ableiten. []

Quellen

Legende

Risikostufen
  • Synergie / Potenzierung
  • Niedriges Zusatzrisiko
  • Reduzierte Effekte
  • Vorsicht (mittleres Risiko)
  • Hohes Risiko
  • Gefährlich
  • Unbekannt / unzureichend untersucht
Marker
  • SerotonergWirkt stark auf den Serotoninhaushalt. Kombinationen koennen ein Serotonin-Syndrom ausloesen.
  • KardiovaskulaerBelastet Herz und Kreislauf. Erhoehte Risiken fuer Blutdruck, Herzrhythmus und Gefaesssystem.
  • Serotonerg + KardioDoppelbelastung: serotonerge und kardiovaskulaere Effekte verstaerken sich gegenseitig.
  • AtemdepressivDaempft die Atmung. Kombinationen mit anderen Atemdepressiva sind potenziell toedlich.
Diese Inhalte dienen Informationszwecken. Individuelle Reaktionen können variieren. Kein Ersatz für medizinische Beratung.