Benzo-Effekte-Vergleich
Mischkonsum ist lebensgefährlich. Die Kombination mit Opioiden, Alkohol oder GHB/GBL kann zu tödlicher additiver Atemdepression führen. Die meisten tödlichen Überdosierungen mit Benzodiazepin-Beteiligung umfassen weitere Substanzen, vor allem Opioide. Risiko und Datenlage unterscheiden sich nach Region und Zeitraum.
Abruptes Absetzen kann tödlich sein. Nach längerem Gebrauch drohen Krampfanfälle bis hin zum Status epilepticus sowie Delir. Ein Ausschleichen ausschließlich ärztlich begleitet.
Pregabalin und Gabapentin brauchen besondere Vorsicht. Die FDA nennt Benzodiazepine als ZNS-Depressiva, bei deren Kombination mit Gabapentinoiden auf Sedierung und Atemdepression geachtet werden soll. Besonders relevant ist das bei zusätzlichen Opioiden, bei Atemwegserkrankungen, im höheren Alter und bei weiteren Risikofaktoren.
Diese Seite ist Harm-Reduction-Aufklärung, keine Konsum- oder Dosierungsanleitung und kein Ersatz für ärztliche Beratung.
- Notfallzeichen: Nicht weckbar, sehr langsame oder flache Atmung, bläuliche Lippen oder Nägel, schwere Verwirrtheit. Sofort 112 rufen, bei vorhandener Atmung in die stabile Seitenlage bringen und die Atmung weiter kontrollieren.
- Naloxon: Kehrt nur eine Opioid-Beteiligung um und hebt die Benzodiazepin-Wirkung nicht auf. Bei einer reinen Nicht-Opioid-Überdosierung schadet es in der Regel nicht, deshalb bei unklarem Verdacht geben.
- Flumazenil ist kein Selbsthilfe-Gegenmittel: Bei Abhängigkeit, gemischter oder unklarer Überdosierung und bei Krampfneigung kann es Entzugskrampfanfälle oder Rhythmusstörungen auslösen. Es gehört in professionelle toxikologische Behandlung.
- Gefälschte Tabletten: Als "Xanax" oder andere Arzneimittel verkaufte Pillen können Fentanyl oder neuartige Benzodiazepine enthalten. Dann gelten die Werte in dieser Tabelle nicht.
- Erhöhtes Risiko: Leber- oder Niereninsuffizienz, COPD oder Schlafapnoe, hohes Alter, Schwangerschaft und eine Krampfanamnese erfordern besondere Vorsicht. Sedierung, Koordinations- und Gedächtnisstörungen beeinträchtigen Fahrtüchtigkeit und erhöhen das Sturzrisiko.
| Substanz ⇅ | Klasse ⇅ | t½ (h) ⇅ | Äquivalenz ⇅ |
|---|---|---|---|
| Diazepam | Benzodiazepin (lang) | 20-100h [Nordazepam 36-200h] | 10 mg |
| Chlordiazepoxide | Benzodiazepin (lang) | 5-30h [Nordazepam 36-200h] | 25 mg |
| Clorazepate | Benzodiazepin (lang) | [Nordazepam 36-200h] | 15 mg |
| Flurazepam | Benzodiazepin (lang) | [40-250h] | 15-30 mg |
| Nitrazepam | Benzodiazepin (lang) | 15-38h | 10 mg |
| Quazepam | Benzodiazepin (lang) | 25-100h | 20 mg |
| Prazepam | Benzodiazepin (lang) | [Nordazepam 36-200h] | 10-20 mg |
| Ketazolam | Benzodiazepin (lang) | 30-100h [Nordazepam 36-200h] | 15-30 mg |
| Nordazepam | Benzodiazepin (lang) | 36-200h | 10 mg |
| Medazepam | Benzodiazepin (lang) | 2h [Nordazepam 36-200h] | 10 mg |
| Clobazam | Benzodiazepin (lang) | 12-60h | 20 mg |
| Alprazolam | Benzodiazepin (intermediär) | 6-12h | 0.5 mg |
| Bromazepam | Benzodiazepin (intermediär) | 10-20h | 6 mg |
| Clonazepam | Benzodiazepin (intermediär/lang)² | 18-50h | 0.5 mg |
| Estazolam | Benzodiazepin (intermediär) | 10-24h | 1-2 mg |
| Lorazepam | Benzodiazepin (intermediär) | 10-20h | 1 mg |
| Loprazolam | Benzodiazepin (intermediär) | 6-12h | 1-2 mg |
| Lormetazepam | Benzodiazepin (intermediär) | 10-12h | 1-2 mg |
| Oxazepam | Benzodiazepin (intermediär) | 4-15h | 20 mg |
| Temazepam | Benzodiazepin (intermediär) | 8-22h | 20 mg |
| Halazepam | Benzodiazepin (intermediär) | 30-100h [Nordazepam 36-200h] | 20 mg |
| Flunitrazepam | Benzodiazepin (intermediär/lang)⁴ | 18-26h [Metabolit ~28h] | 1 mg |
| Brotizolam | Benzodiazepin (kurz) | 5h | 0.5 mg |
| Triazolam | Benzodiazepin (kurz) | 2h | 0.5 mg |
| Midazolam | Benzodiazepin (kurz) | 1-4h | keine etablierte orale Äquivalenz¹ |
| Zolpidem | Z-Substanz (Imidazopyridin) | 1.5-4.5h | 20 mg |
| Zopiclone | Z-Substanz (Cyclopyrrolon) | 3-6h | 15 mg |
| Eszopiclone | Z-Substanz (Cyclopyrrolon) | 6h | keine belastbare Standardäquivalenz⁵ |
| Zaleplon | Z-Substanz (Pyrazolopyrimidin) | ~1h | keine belastbare Standardäquivalenz⁵ |
| Passion Flower | Phytopharmakon³ | N/A | N/A |
- Dot-Skala (0–5), redaktionell: ordinale redaktionelle Einschätzung ohne validierte Messskala und ohne substanzspezifischen Einzelbeleg. Werte sind nicht quantitativ, nicht zwischen Substanzklassen vergleichbar, und ein Unterschied von einem Punkt ist nicht interpretierbar. Das Abhängigkeitsrisiko hängt stark von Dosis, Wirkeintritt, Einnahmedauer, Indikation und persönlichen Faktoren ab und ist keine feste Stoffeigenschaft.
- Diazepam-Äquivalenzen: die Spalte nennt die ungefähre Menge, die etwa 10 mg oralem Diazepam entspricht. Das sind grobe klinische Schätzwerte aus Ashton 2007, NHS SPS und der ASAM-Leitlinie 2025. Die Quellen weichen deutlich ab, etwa Lorazepam 1 mg gegenüber 2 mg oder Triazolam 0,5 mg gegenüber 0,25 mg. Individuelle Variabilität ist hoch, Einnahmedauer, Indikation, Leber- und Nierenfunktion, Alter und aktive Metaboliten spielen mit hinein. Nicht zur exakten Umrechnung verwenden.
- Typische Dosis: gängige orale Erwachsenendosen ohne Angabe von Indikation, Applikationsweg, Altersgruppe oder Zulassungsregion. Zwischen diesen Bezugsgrößen unterscheiden sich zugelassene Dosierungen erheblich. Keine Dosierungsempfehlung.
- Z-Drugs: Vergleichswerte beziehen sich rein auf die sedative Wirkung. Z-Substanzen wirken an den Benzodiazepin-Bindungsstellen des GABA-A-Rezeptors, ihre Profile unterscheiden sich aber: Zolpidem bevorzugt α1-haltige Rezeptoren, Zopiclon unterscheidet weitgehend nicht zwischen den Untereinheiten, bei Eszopiclon ist die Selektivität unsicher. Ungefähre Diazepam-Vergleichswerte existieren für Zolpidem und Zopiclon, sind aber nicht exakt. Eine Umstellung im Entzug gehört in ärztliche Hände und ist nicht immer angezeigt.
- Klassen-Labels (short/intermediate/long): quellenabhängig und nicht einheitlich definiert; maßgeblich ist der tatsächliche T½-Wert (Spalte „t½“). Alprazolam wird hier als intermediär geführt, NHS SPS zählt es zu den kurzwirksamen Benzodiazepinen. Die Halbwertszeit ist zudem nicht mit der subjektiv wahrgenommenen Wirkdauer gleichzusetzen.
- Metabolit-Klammer in T½: Werte in eckigen Klammern bezeichnen die Halbwertszeit eines klinisch relevanten aktiven Metaboliten (z.B. Nordazepam), die die effektive Wirkdauer dominiert.
- ¹ Midazolam: orale Midazolam-Präparate sind für überwachte Settings bestimmt. Entscheidend sind geschultes Personal, Atemwegsmanagement und Monitoring. Wegen hohen First-Pass-Metabolismus (orale Bioverfügbarkeit ungefähr 36 bis 44 Prozent, stark variabel) ist Midazolam in den etablierten oralen Äquivalenztabellen nicht enthalten.
- ² Clonazepam: Grenzfall zwischen intermediate und long (T½ 18–50h), je nach Quelle unterschiedlich klassifiziert.
- ³ Passionsblume: Phytopharmakon - gänzlich andere Substanzklasse und Wirkmechanismus. Dot-Ratings sind nicht direkt mit Benzodiazepinen vergleichbar und nur zur Orientierung aufgeführt. Die Dosisangabe ist produktabhängig: Studien nutzten sehr unterschiedliche Extrakte, und ohne Extraktverhältnis und Standardisierung sind Milligrammangaben zwischen Präparaten nicht austauschbar.
- ⁴ Flunitrazepam: mit einer Halbwertszeit von 18 bis 26 Stunden und einem aktiven Metaboliten passt der Wirkstoff nicht zu einem Label "kurz" neben Triazolam mit rund zwei Stunden. Die Einordnung ist quellenabhängig.
- ⁵ Keine belastbare Standardäquivalenz: für Eszopiclon und Zaleplon ist in den hier genannten Referenztabellen (NHS SPS, ASAM 2025, Ashton) kein Diazepam-Äquivalent hinterlegt. Ein früher hier angezeigter fester Wert war nicht belegbar und wurde entfernt.