Opioid-Effekte-Vergleich
Extreme Potenz: Ca. 100x stärker als Morphin, kleinste Dosisfehler können tödlich sein. Einheiten nicht vermischen: i.v. in mg/µg als Einzeldosis, transdermal als Freisetzungsrate µg/h.
Transdermales Depot: Das Pflaster bildet ein Hautdepot. Nach dem Entfernen wird weiter Fentanyl aus der Haut aufgenommen; der Serumspiegel sinkt im Mittel erst nach etwa 20–27 h um 50 %. Wirkung und Atemdepression können deshalb stundenlang anhalten. Äußere Wärme (z. B. Heizdecke, Sauna) kann die Aufnahme deutlich erhöhen und tödliche Überdosierungen verursachen; direkte Wärme am Pflaster und seiner Umgebung vermeiden. Auch Fieber kann den Fentanylspiegel erhöhen und erfordert ärztliche Überwachung auf Sedierung und Atemdepression. Quelle: Fentanyl System, US-Fachinformation, Abschnitte 5.8, 5.9, 10 und 12.3 (Stand 03/2026; geprüft am 07.10.2026).
Fentanyl in Europa: Laut European Drug Report 2026 ist die geografische Verbreitung bislang auf wenige Länder konzentriert. Für Deutschland nennt die EUDA 95 fentanylbezogene Todesfälle im Jahr 2024. Ein Teil könnte mit abgezweigten Fentanyl-Arzneimitteln statt illegal produziertem Fentanyl zusammenhängen.
Nitazene und Orphine: Die EUDA berichtet zunehmend über gefälschte Arzneimittel mit Nitazenen, etwa als Oxycodon oder Benzodiazepine angebotene Tabletten. Auch neuere Orphine wurden in Europa mit Vergiftungen und Todesfällen in Verbindung gebracht. Diese Entwicklungen sind ein wachsendes Risiko, aber kein Beleg für eine europaweite Dominanz bei Überdosierungen. Ohne Analytik ist der Gehalt nicht abschätzbar; Drug-Checking und Naloxon-Verfügbarkeit sind entscheidend.
Nicht-lineare Umrechnung: Der Morphin-Umrechnungsfaktor ist nicht linear und steigt mit der Tagesdosis (grob 4:1 bei niedrigen bis 12:1 bei hohen Morphindosen). Feste mg-Werte täuschen Präzision vor und führen zu Überdosierungen. Deshalb steht in der Tabelle bewusst "variabel" statt einer Zahl.
Kumulation und verzögerter Tod: Die spürbare Wirkung hält oft nur 4-8 h, die Halbwertszeit aber ~24 h (Spanne 15-60 h). Nachlegen baut den Spiegel weiter auf, obwohl die Wirkung schon verpufft scheint. Der Tod tritt oft verzögert ein, teils 24-48 h nach der letzten Einnahme.
QT-Verlängerung/Torsades: Methadon kann das QT-Intervall verlängern und Torsades de pointes auslösen. Fälle wurden häufiger bei hohen Dosen beobachtet, aber auch bei üblichen Substitutionsdosen. EKG-Kontrolle relevant, besonders bei Behandlungsbeginn und Dosissteigerung bei Risikofaktoren wie Reizleitungsstörungen, Kalium- oder Magnesiummangel sowie Kombination mit anderen QT-verlängernden Substanzen. Quelle: Methadose, US-Fachinformation, hervorgehobener Warnhinweis und Abschnitt 5.3 (Stand 04/2026; geprüft am 07.10.2026).
Serotonin-Syndrom: Wechselwirkungen beachten
Einige Opioide wirken zusätzlich auf das Serotoninsystem. Zusammen mit weiteren serotonergen Mitteln, etwa SSRI, SNRI und besonders MAO-A-Hemmern, kann das Risiko eines seltenen, aber potenziell lebensbedrohlichen Serotonin-Syndroms steigen. Auch Dextromethorphan (DXM), Linezolid und MDMA werden in LONTS genannt.
Die LONTS-Konsultationsfassung 4.0 nennt eine Hemmung des Serotonin-Transporters (SERT) bei Tramadol, Tapentadol und Methadon sowie eine direkte Serotoninfreisetzung bei Fentanyl und Tramadol. Daraus folgt kein gleich hohes Risiko für alle Opioide oder Kombinationen.
Konkrete Präparate vor einer Kombination ärztlich oder in der Apotheke prüfen lassen; verordnete Medikamente nicht eigenständig absetzen oder umstellen. Bei Verdacht auf ein Serotonin-Syndrom sofort medizinische Hilfe holen.
Quelle: LONTS 4.0, Konsultationsfassung September 2026, Kapitel 6.2.9, Abschnitt „Serotonin-Syndrom“, S. 57–58. Noch keine endgültige Fassung; geprüft am 07.10.2026.
| Substanz | Klasse ⇅ | t½ (h) ⇅ | Äquiv. zu Morphin 10mg ⇅ | Typische Dosis (mg) ⇅ | Analgetisch ⇅ | Sedierend ⇅ | Atemdepression ⇅ | Euphorie ⇅ | Abhängigkeit ⇅ |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Morphin | Natuerlich | 2-4 h | 10 mg (Referenz) | 10-30 mg p.o. | ●●●●○ | ●●●○○ | ●●●○○ | ●●●○○ | ●●●●○ |
| Heroin | Halbsynthetisch | ~0,05 h (Muttersubstanz) | ~3-5 mg | kein zugel. med. Einsatz (DE: Diamorphin nur in Substitution) | ●●●●○ | ●●●●○ | ●●●●○ | ●●●●● | ●●●●● |
| Oxycodon | Halbsynthetisch | 3-4,5 h | ~6,5 mg | 5-20 mg p.o. | ●●●●○ | ●●●○○ | ●●●○○ | ●●●●○ | ●●●●○ |
| Hydromorphon | Halbsynthetisch | ~2,5 h | ~2 mg | 4-8 mg p.o. | ●●●●○ | ●●●○○ | ●●●○○ | ●●●●○ | ●●●●○ |
| Codein | Natuerlich | 2,5-3,5 h | ~65 mg | 30-120 mg p.o. | ●●○○○ | ●●○○○ | ●●○○○ | ●●○○○ | ●●○○○ |
| Tilidin | Synthetisch, Prodrug | 3-5 h (Nortilidin) | ~50-65 mg | 50-150 mg p.o. | ●●●○○ | ●●○○○ | ●●○○○ | ●●●○○ | ●●●○○ |
| Tramadol | Synthetisch, dualer Mechanismus (µ-Agonist + SNRI) | 5-6 h (M1 ~8 h) | ~100 mg | 50-100 mg | ●●○○○ | ●●○○○ | ●○○○○ | ●●○○○ | ●●○○○ |
| Tapentadol | Synthetisch, dualer Mechanismus (µ-Agonist + NRI) | ~4 h | ~25 mg | 50-100 mg | ●●●○○ | ●●○○○ | ●●○○○ | ●●○○○ | ●●○○○ |
| Methadon | Synthetisch | 24 h (Spanne 15-60, stark variabel) | variabel* | 10-40 mg (Einstieg, langsam titriert) | ●●●●○ | ●●●○○ | ●●●●○ | ●●●○○ | ●●●●● |
| Fentanyl | Synthetisch | 3-7 h i.v.; 20-27 h transdermal (Depot) | ~0,1 mg (100 µg, parenteral) | i.v. 50-100 µg als Bolus; transdermal 12-100 µg/h (Freisetzungsrate) | ●●●●● | ●●●●○ | ●●●●● | ●●●●○ | ●●●●● |
* Der Methadon-Morphin-Umrechnungsfaktor ist nicht-linear (steigt mit der Tagesdosis). Deshalb steht hier bewusst "variabel" statt einer festen Zahl, siehe Warnhinweis oben.
Diese Tabelle dient Informationszwecken. Kein Ersatz für medizinische Beratung.