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Interaktion Details

Alcohol + Opioids
GefährlichAtemdepressiv
Evidenz: gesichert
Alkohol gilt vielen nicht als Droge, sondern als Getränk nebenbei. Genau das macht diese Kombination so gefährlich. Alkohol verstärkt die atemdämpfende Wirkung von Opioiden und kann sogar die Gewöhnung untergraben, auf die sich erfahrene Konsumenten verlassen. Schon die gewohnte Opioidmenge kann mit Alkohol zur tödlichen Überdosis werden.
Was passiert
Opioide und Alkohol dämpfen beide das Atemzentrum im Gehirn. Zusammen wirken sie nicht nur addiert, sondern verstärkt: In Versuchen führte Alkohol dazu, dass die Atmung deutlich häufiger für Momente ganz aussetzte. Wie bei anderen Atemdämpfern passiert das leise, über zunehmende Müdigkeit und immer flacheres Atmen, oft im Schlaf. Dazu kommt eine besonders tückische Sache: Wer regelmäßig Opioide nimmt, baut eine Toleranz auf und verträgt dadurch Mengen, die einen Unerfahrenen umbringen würden. Alkohol kann genau diese Schutzwirkung der Toleranz teilweise aufheben. Das heißt, die sonst gewohnte und vertragene Opioidmenge kann zusammen mit Alkohol plötzlich zu viel sein. Auch deshalb sterben erfahrene Konsumenten an scheinbar normalen Dosen, wenn Alkohol im Spiel ist.
Für wen relevant
Für alle, besonders aber für zwei Gruppen. Erstens für Menschen, die Opioide medizinisch verschrieben bekommen und nicht wissen, dass schon ein paar Gläser dazu gefährlich sind. Zweitens für erfahrene Konsumenten, die sich auf ihre Toleranz verlassen, denn die hält gegen Alkohol nicht zuverlässig. Ältere Menschen sind zusätzlich gefährdet, weil ihr Körper Atemaussetzer schlechter abfängt.
Warnzeichen
  • sehr langsame, flache oder aussetzende Atmung
  • blaue oder graue Lippen, Fingerspitzen oder Gesicht
  • nicht aufweckbar, reagiert nicht auf Ansprechen oder Schmerzreiz
  • röchelnde, gurgelnde oder schnarchende Geräusche, die nicht aufhören
  • Erbrechen im Halbschlaf, Erstickungsgefahr
  • stecknadelkleine Pupillen, schlaffer Körper
Wer nicht mehr aufweckbar ist oder kaum noch atmet, ist ein Notfall: sofort 112 und, wenn vorhanden, Naloxon geben. Wichtig: Naloxon wirkt nur gegen das Opioid, nicht gegen den Alkohol. Die atemdämpfende Wirkung des Alkohols bleibt bestehen, deshalb immer den Notruf wählen und bei der Person bleiben, auch wenn sie nach Naloxon kurz wacher wirkt.
Wenn es passiert
  • Notruf 112, klar sagen dass Opioide und Alkohol zusammen konsumiert wurden
  • Naloxon geben falls vorhanden, Wirkung hält nur kurz, daher Notruf trotzdem
  • stabile Seitenlage, damit Erbrochenes ablaufen kann
  • Atmung beobachten, bei Atemstillstand beatmen wenn man es kann
  • wach halten, ansprechen, nicht allein und nicht zum Ausschlafen allein hinlegen lassen

Opioide verursachen über mu-Opioidrezeptoren im Hirnstamm eine Atemdepression, die direkte Todesursache der Opioidüberdosis. Alkohol dämpft das ZNS zusätzlich über GABAerge und weitere Mechanismen. In kontrollierten Studien mit Oxycodon erhöhte Ethanol die Zahl kurzer Atemstillstände deutlich, mit synergistischem, nicht nur additivem Effekt, besonders ausgeprägt bei älteren Probanden mit geringerer physiologischer Reserve.

Ein zweiter, oft übersehener Mechanismus betrifft die Toleranz. Tierexperimentell hob niedrig dosiertes Ethanol allein die Atmung nicht an, kehrte aber bei morphintoleranten Tieren die Toleranz gegenüber der atemdepressiven Wirkung teilweise um, sodass wieder Atemdepression auftrat. Passend dazu zeigen Obduktionsdaten von Opioidtoten eine inverse Korrelation zwischen Blutmorphin- und Ethanolspiegel, also tödliche Ausgänge bei geringeren Opioidmengen, wenn Alkohol vorhanden war. Da Heroin im Körper zu Morphin wird, gilt diese selektive Toleranzumkehr als möglicher Faktor bei Herointodesfällen.

Für den Notfall gilt wie bei allen gemischten Atemdepressionen: Naloxon antagonisiert nur die Opioidkomponente. Die alkoholbedingte Dämpfung bleibt bestehen, eine Atemdepression kann trotz Naloxon fortbestehen oder nach dessen kurzer Wirkdauer zurückkehren. Aspiration von Erbrochenem ist eine zusätzliche Gefahr, weshalb stabile Seitenlage und Überwachung zentral sind.

Evidenz-Einordnung: Synergistische Atemdepression und die hohe Häufigkeit von Alkohol bei Opioidtoten sind gut belegt, der Toleranzumkehr-Mechanismus ist tierexperimentell und durch Obduktionsdaten gestützt. Einordnung: gesichert.

Quellen
  • [1] ASA / Leiden (Dahan et al.): Oxycodon und Ethanol, synergistische Atemstillstände, Risiko bei Älteren
  • [2] PMC: Ethanol Reversal of Tolerance to Respiratory Depressant Effects of Morphine
  • [3] PMC: Alcohol or Benzodiazepine Co-involvement With Opioid Overdose Deaths, USA 1999-2017
  • [4] BJA Education: Opioid-induced respiratory depression (Grenzen von Naloxon)

Legende

Risikostufen
  • Synergie / Potenzierung
  • Niedriges Zusatzrisiko
  • Reduzierte Effekte
  • Vorsicht (mittleres Risiko)
  • Hohes Risiko
  • Gefährlich
  • Unbekannt / unzureichend untersucht
Marker
  • SerotonergWirkt stark auf den Serotoninhaushalt. Kombinationen koennen ein Serotonin-Syndrom ausloesen.
  • KardiovaskulaerBelastet Herz und Kreislauf. Erhoehte Risiken fuer Blutdruck, Herzrhythmus und Gefaesssystem.
  • Serotonerg + KardioDoppelbelastung: serotonerge und kardiovaskulaere Effekte verstaerken sich gegenseitig.
  • AtemdepressivDaempft die Atmung. Kombinationen mit anderen Atemdepressiva sind potenziell toedlich.
Diese Inhalte dienen Informationszwecken. Individuelle Reaktionen können variieren. Kein Ersatz für medizinische Beratung.